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Tarnkappen
von GESI (14.4.2004, 21:55)

Gelb, Rot, Pink, bläulich, grünlich, braun, sogar schwarz und weiß: das ist die Farbpalette, mit der Anglerfische aufwarten. Und nicht etwa im einfachen uni, nein, die Farbenvielfalt wird in prächtigen Mustern zur Schau getragen. Weshalb wir Taucher sie trotzdem viel zu oft garnicht zur Kenntnis nehmen: Alle diese Farben werden farblich perfekt der Umgebung angepasst. Oder eine andere Strategie: Mit Bonbonfarben einen starken Farbkontrast zur Umwelt bilden. Übersehen werden sie dann genauso, denn man hält sie einfach für etwas anderes: für einen Schwamm zum Beispiel.  
Solche Anpassungen in Farbe und Muster können Tage oder auch nur Sekunden dauern. Aufgrund der vielfältigen Farbkleider werden einzelne Exemplare derselben Art sehr leicht für unterschiedliche Arten gehalten. Früher passierte das selbst Forschern. So gab es häufig Mehrfachbenennungen einer Art. Heute geht man von etwa 40 Arten aus, in der Vergangenheit waren viermal so viel beschrieben.

Trickbetrüger
Die kleinen Fische sind im Riff praktisch unsichtbar - für ihre Feinde ebenso wie für ihre Beute. Buddhagleich hocken sie da und scheinen nur eine Lebensphilosophie zu haben: Zen, oder »die Kunst, auf Beute zu warten«. Doch Anglerfische verlassen sich nicht allein darauf, dass ihre Beute zufällig vorbeikommt. Sie arbeiten mit einer infamen Finesse, von Wissenschaftlern als Angriffsmimikry bezeichnet. Der erste Strahl der Rückenflosse, der frei über der Oberlippe ansetzt, ist zu einer Angel umgebildet. Die Angelrute ist dünn und am Ansatz beweglich, das Ende als fleischige Köderatrappe ausgebildet. Deren Form ist unterschiedlich, von einfachen Verdickungen bis hin zu Gebilden, die einem Fisch oder Wurm ähneln. Der Anglerfisch kann die Angelrute derart geschickt herumschwenken, dass der Eindruck einer natürlichen Bewegung entsteht. Einen davon angelockten Räuber führt die vermeintliche Beute direkt vor das Maul des Anglerfisches.

Fast Food
Bis zu dem Moment, in dem sich ein Opfer bereits im Schlund des Anglers befindet, hat es seinen Fressfeind gar nicht wahrgenommen. Anglerfische schnappen ihre Beute durch plötzliches Aufreißen der Kiefer. Solches Saugschnappen ist verbreitet bei Raubfischen. Ungewöhnlich bei Anglerfischen ist jedoch die Rasanz, mit der Beute gemacht wird. Dokumentiert werden kann es nur mit Hochgeschwindigkeits-Kameras, die bis zu 1000 Bilder pro Sekunde liefern. Denn das Aufreißen der Kiefer und Einsaugen des Opfers dauert durchschnittlich gerade mal sechs Tausendstelsekunden - absoluter Weltrekord! Kein anderes Wirbeltier kann sich so schnell seine Beute schnappen. Mit einem normalen Muskel ist diese Geschwindigkeit kaum zu erreichen. Forscher vermuten eine Art Katapult-Mechanismus im Kiefer der Anglerfische. Eingesaugt wird alles, was nicht deutlich größer als der Angler selbst ist. Schlund und Magen sind äußerst dehnbar. Selbst Opfer, die länger sind als der Angler, wurden schon aufgerollt in dessen Magen gefunden.

Zeitlupe

Anglerfische können auf ihren stummelfüßigen Brust- und Bauchflossen über den Grund laufen. Dabei verfügen sie über zwei Gangarten. Erstens »Schreiten in Kreuzgangart«, indem sie die Brustflossen abwechselnd nach vorn bewegen. Zweitens »Galopp«, eine für Fische einzigartige Fortbewegungsart: Dabei werden die Brustflossen parallel vorwärts geschwungen, gefolgt von den Bauchflossen. Allerdings dürfte es der langsamste Galopp im gesamten Tierreich sein. Schließlich können sie nach dem Rückstoßprinzip schwimmen. Dazu saugen sie Wasser ins Maul und stoßen es durch die hinter den Brustflossen gelegenen, engen und damit düsenähnlichen Kiemenöffnungen aus. Auch dieser »Düsenantrieb« ist wohl der langsamste seiner Art.

Eine Bildgallerie gibt es auf unterwasser.de unter http://www.unterwasser.de/aktuell/Newsdetail/16710fe606034231ad87accfdb71bddf

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