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Korallenblüte: Die Nacht der Nächte
von HEST (3.5.2004, 10:04)

Im australischen Great Barrier Reef haben jetzt Max-Planck-Forscher das Schicksal der innerhalb von nur einer Nacht geballt abgegebenen Korallen-Eier und Spermien genauer verfolgt. Einmal im Jahr stoßen die Korallen im australischen Great Barrier Reef zugleich ihre Eier und Spermien aus und überlassen den Meeresströmungen die Verbreitung und Befruchtung. Biologen vom Bremer Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie haben jetzt das Schicksal der in nur einer Nacht im Jahr geballt abgegebenen Geschlechtszellen genauer verfolgt.

Im Gegensatz zu Bäumen und Gräsern an Land, die sich ein paar Wochen mit dem Bestäubungsprozess Zeit lassen, haben die Korallen im Great Barrier Reef nur einmal im Jahr ein paar Nächte Zeit für ihren Sex. Das Absondern der Geschlechtszellen (Gameten) muss synchronisiert sein, weil sonst Ei und Spermium wegen der Meeresströmungen nicht zueinander kommen können und so die Chancen einer Befruchtung drastisch sinken würden. Dieses Handicap hat zur Folge, dass einmal im Jahr das komplette Korallenriff seine Gameten ausstossen muss.

In den 80er Jahren wurde dieser Prozess zum ersten Mal wissenschaftlich dokumentiert und in Zusammenhang mit der Mondphase und Wassertemperatur gebracht. Je nach Korallenriff und Art tritt dieses "Coral Spawning" immer im australischen Frühsommer in den Monaten Oktober bis Dezember auf. In einer sehr kurzen Zeitperiode werden soviele Gameten geballt entlassen, dass Schnorchler im Wasser Schwierigkeiten haben, mehr als einen Meter weit zu sehen.

Coral Spawning: A) Viele Hartkorallen der Gattung Acropora geben gleichzeitig ihre Spermien und Eizellen in grossen Mengen ab. B) Fische stürzen sich auf die nahrhaften Korallengameten. C) Die Gameten werden oft in Form von Eibündeln abgegeben. D) Aufgrund ihres hohen Fettgehalts sammeln sich Koralleneier in vielen Fällen zu quadratmetergrossen Teppichen an der Wasseroberfläche

Korallenriffe im Great Barrier Reef sind Teil einer extrem nährstoffarmen Welt. Die Gameten stellen neben ihrem primären biologischen Zweck der Vermehrung der Korallen eine riesige Menge organischen Materials dar, das umgehend in die Nahrungskette des Riffs wieder eingeschleust werden muss, weil es sonst für die Riffgemeinschaft verloren wäre. Die Wissenschaftler haben kurz vor, während und nach einem Coral Spawning-Ereignis im November 2001 Messungen der biologischen Aktivität in den kalkigen Riffsanden gemessen.

Kurz nach der massenhaften Abgabe der Gameten stieg der Sauerstoffverbrauch im Sediment steil an - der Beweis dafür, dass die in den Sedimenten lebenden Mikroorganismen ihre Zersetzungsarbeit aufgenommen haben. Elf Tage danach ging die Aktivität wieder zurück und pendelte sich auf den Ausgangswert ein. Mit diesen Befunde konnten die Forscher das enorme Umsetzungspotenzial dieser Riffsande und ihre starke biokatalytische Aktivität aufzeigen.


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