Aktuell

Hoffnung für Meeresschildkröten
von HEST (3.5.2004, 15:09)

Nach Schätzungen des WWF verenden jedes Jahr mindestens 250.000 Meeresschildkröten als ungewollter „Beifang“, zum Beispiel  bei der so genannten Langleinen-Fischerei nach Tun- und Schwertfischen. Angesichts neuester Forschungsergebnisse hofft der WWF allerdings, dass das Massensterben der
Schildkröten bald der Vergangenheit angehören wird: US-amerikanische Wissenschaftler und die Fischerei-Industrie haben neue - kreisförmige - Angelhaken entwickelt. Erste
Tests im Atlantik ergaben, dass die Zahl der getöteten Schildkröten drastisch reduziert werden kann, da deutlich weniger Tiere innerlich verbluten oder beim Kampf
mit den Angelhaken ersticken. Der WWF rechnet mit einem Rückgang des Schildkröten-Beifangs um bis zu 90 Prozent.

Dirk Riebensahm, Fischerei-Experte des WWF: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die  Schildkröten die neuen Angelhaken verschlucken, ist wesentlich geringer als bei den
bislang üblichen J-förmigen Haken. Außerdem können die neuen Haken wesentlich leichter entfernt werden.“ Der WWF hofft, dass im gesamten Pazifik bald nur noch
Langleinen zum Einsatz kommen, die mit den neuen Haken ausgerüstet sind. So könnten möglichst viele Schildkröten gerettet werden.

Vor allem der Lederschildkröte wäre eine rasche Umsetzung der neuen Fischereimethode zu wünschen: Sie ist die größte Schildkröte der Welt, und sie ist vom Aussterben
bedroht. Noch in den achtziger Jahren wurden allein im östlichen Pazifik rund 90.000 brütende Weibchen gezählt. Mittlerweile sind davon nach Angaben des WWF nur noch
etwa 2.000 übrig geblieben. Lederschildkröten können bis zu 900 Kilogramm schwer und
bis zu zweieinhalb Meter lang werden. Im Gegensatz zu allen anderen
Schildkrötenarten tragen sie keinen Panzer aus Hornplatten. Dieser ist bei den
Lederschildkröten durch eine dicke, lederartige Haut ersetzt. Lederschildkröten
ernähren sich fast ausschließlich von Quallen. Ihre Lieblingsspeise wird ihnen sehr
oft zum Verhängnis, denn sie können Quallen kaum von den mittlerweile massenhaft im
Meer treibenden Plastiktüten unterscheiden. Haben die Schildkröten einen
Kunststoffbeutel verschlungen, kommt es meist zu Verdauungsstörungen. Nicht selten
sterben die Tiere dara
n. Bei Untersuchungen wurden bei rund der Hälfte aller Lederschildkröten
Kunststoffabfälle im Magen gefunden.

Beifang ist nicht nur eine Gefahr für Meeresschildkröten: Nach Angaben des WWF
sterben jedes Jahr auch schätzungsweise bis zu 300.000 Wale und Delfine durch die
Fischerei. „Statistisch gesehen stirbt alle ein bis zwei Minuten ein Meeressäuger in
einem Fischernetz“, zieht Dirk Riebensahm eine traurige Bilanz. Außerdem fallen laut
WWF jährlich mehrere Millionen Haie den rücksichtslosen Fischereimethoden zum Opfer.

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