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Neues aus der Tiefsee
von HEST (4.6.2004, 17:48)

Kaltwasserkorallen sind in den Weltmeeren weiter verbreitet und zahlreicher als bisher angenommen. Dies geht aus einer Studie hervor, deren vorläufige Ergebnisse der WWF und das UN-Umweltprogramm UNEP amFreitag anläßlich des  Weltumwelttages (5. Juni) in Barcelona vorstellen. Bisher ging man davon aus, dass sich Kaltwasserkorallen auf die nördliche Hemisphäre, etwa die
Küsten Kanadas, Skandinaviens und der Britischen Inseln, beschränken. Der mit neusten Methoden der Tiefsee-forschung erstellte Report fand jetzt weitereKaltwasser-korallen Ökosysteme in der Tiefsee des Atlantik, des Pazifik, desIndischen Ozeans und des Mittelmeers – etwa vor den Küsten der Galapagos-Inseln, Islands, Brasiliens, Indonesiens und Angolas. Die vollständige Studie wird Ende Juni
veröffentlicht.

Ähnlich wie tropische Korallenriffe wachsen die Riffe in der kühlen Tiefsee nur
langsam. Sie bieten eine Heimat für eine Vielzahl von Lebewesen, darunter auch
kommerziell genutzte Fischarten. Auch die dort lebenden Meerestiere wie zum Beispiel
der Atlantische Sägebauch und der Blauleng vermehren sich nur sehr gemächlich.
Aufgrund ihres langsamen Wachstums sind Kaltwasserkorallen besonders verletzlich.
Vor allem die Tiefseefischerei, aber auch Öl- und Gasbohrungen, Abfälle und die
Verlegung von Telefonkabeln machen den Riffen und ihren Bewohnern zu schaffen.
Einige Korallenriffe im Ostatlantik sind bereits weitgehend zerstört worden, während
andere schwere Beschädigungen vorweisen.

„Die Studie öffnet das Tor zu einer bisher weitgehend unbekannten und
faszinierenden Welt. Kaltwasserkorallen spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem
Meer“, betont Stefanie Schmidt, WWF-Referentin für Meeresfischerei. „Die Riffe
bieten Lebensräume für zahlreiche Arten wie Tiefsee-Haie, Fische und Schalentiere.
Sie tragen zur Erholung gefährdeter Fischbestände bei. Ein schneller und
umfassender Schutz ist erforderlich, damit wir diese faszinierenden und
empfindlichen Ökosysteme nicht verlieren, bevor wir ihre vollständige Bedeutung für
die Meeresökosysteme überhaupt verstanden haben. Einmal zerstört, wäre es fraglich,
ob Kaltwasserkorallenriffe sich jemals wieder erholen würden.“

Norwegen, die USA und Großbritannien haben bereits einen Teil ihrer
Kaltwasserkorallen – wie zum Beispiel die Darwin Mounds vor der Nordwestküste
Schottlands – unter Schutz gestellt. Der WWF fordert nun auch andere Staaten auf,
die Riffe vor ihren Küsten durch die Einrichtung von Meeresschutzgebieten (MPAs) vor
Zerstörungen zu bewahren. „Bisher haben wir unsere Schutzbemühungen auf die
tropischen Korallenriffe konzentriert“, erklärt UNEP-Direktor Klaus Töpfer. „Unsere
Entdeckungen zeigen uns nicht nur, dass die Natur immer wieder für Überraschungen
gut ist, sie lehren uns, dass wir unsere Anstrengungen zum Schutz der Meere
ausweiten müssen.“

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