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Leben in untermeerischen "Salzpfützen"
von HEST (8.1.2005, 18:06)

Selbst die salzigsten Flecken der Erde beherbergen noch Leben: In Becken mit Salzlake unter dem Mittelmeer stießen Forscher auf unbekannte Mikroorganismen. Mikroben können Umgebungen besiedeln, die nach gängiger Auffassung steril sein sollten. Ein neues Beispiel für diese extreme Anpassungsfähigkeit präsentieren europäische Forscher im Magazin "Science". In mit Salzlake gefüllten Bassins am Grund des Mittelmeeres fanden sie vielfältige Lebensgemeinschaften teils unbekannter Einzeller, die in Ermangelung von Sauerstoff Schwefel und Kohlenstoff veratmen.

"Bakterien können unter vielen Umweltbedingungen leben, auch äußerst ungewöhnlichen", erläutert Kenneth Timmis von der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Braunschweig, und der University of Essex. Aber zumindest in einem der untersuchten Lakebecken, westlich von Kreta gelegen und mehr als doppelt so salzhaltig wie das Tote Meer, "hätten wir sie dennoch nicht vermutet. Es gehört sicher zu den extremsten Bedingungen, die wir kennen."

Die von den Forschern untersuchten Lakebecken gehen auf eine Zeit vor rund sechs Millionen Jahren zurück. Damals, gegen Ende des Miozäns, wurde das Mittelmeer vom Atlantik abgeschnitten und trocknete in der Folge weitflächig aus. Indem die dabei gebildeten Salzschichten heute mit dem Meerwasser in Kontakt kommen, bilden sich in Senken am Meeresgrund regelrechte Pfützen sehr dichten Salzwassers. In bis zu 4.000 Metern Tiefe gelegen, herrschen dort Drücke von bis zu 400 Atmosphären. Sauerstoff ist praktisch nicht vorhanden.

Je nach angezapfter Salzlagerstätte herrschen in den Becken unterschiedliche chemische Bedingungen. Das "Discovery"-Becken vor Kreta enthält beispielsweise 476 Gramm (5 Mol) Magnesiumchlorid pro Liter Wasser. "Das müsste eigentlich für jede Form von Leben tödlich sein", so Timmis. Dennoch konnten der Forscher und seine Kollegen in den Lakeproben nicht nur DNA und RNA unterschiedlicher Mikroben nachweisen, auch enzymatische Aktivität war messbar.

Die Lake-Gemeinschaften unterscheiden sich deutlich von jenen im normalen Meerwasser. Offenbar enthält jedes der isolierten Becken seine eigene Flora von "Extremisten", die sich im Laufe der Jahrmillionen entwickelt hat, schließen Timmis und seine Kollegen. Nun wollen sie versuchen, die neu entdeckten Bakterien und Archäen im Labor zu züchten und näher zu untersuchen. "Wir hoffen, dass diese Organismen Wirkstoffe produzieren, die man bis jetzt noch nicht kennt - vielleicht sogar solche, die man für medizinische Zwecke einsetzen kann."


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